17:00 – 17:50 Uhr
Donnerstag, 2. Juli 2026
Bargeld verschwindet, Stablecoins erobern die alte Finanzwelt, die USA erklären Dollar-Kryptowährungen zur Staatsräson, Europa plant einen Digitalen Euro, den selbst seine Befürworter für unzureichend halten – und im Hintergrund bauen Kryptoanarchisten an Währungen, die kein Staat mehr kontrollieren kann. Um die Zukunft des (digitalen) Geldes ist ein globaler Wettstreit entbrannt, der in Deutschland noch wenig Beachtung findet. Deshalb freuen wir uns in dieser Session auf zwei Experten, die das Konzept von Geld aus zwei radikal verschiedenen Perspektiven betrachten: Prof. Peter Bofinger, 15 Jahre Wirtschaftsweiser und einer der einflussreichsten Ökonomen des Landes, hat 1984 über Hayeks Vision vom privaten Geld promoviert – und sie verworfen. Heute sieht er Dollar-Stablecoins als geopolitische Waffe und warnt davor, dass Europa seine finanzielle Souveränität verliert. Frank Braun, Cypherpunk und Kryptoanarchist, baut an genau dem Geld, das Prof. Bofinger für unmöglich hält: anonym, zensurresistent und frei von staatlicher Kontrolle. Beide lehnen ab, was der Markt gerade feiert, aber aus verschiedenen Gründen. Peter Bofinger vertraut auf Institutionen und möchte das Geldsystem reparieren. Frank Braun setzt auf Kryptographie und die Freiheit des Individuums. Am Ende also geht es um zwei Grundsatzfragen: Kann ein Staat ohne Kontrolle über das Geld überhaupt existieren? Und hat der Einzelne das Recht, sich dieser Kontrolle zu entziehen?